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Everytime (von Sandra Wollner)

Samstag
17.
12:45 - 15:30

Nach einem folgenschweren Ereignis, in das ihre sechzehnjährige Tochter Jessie verwickelt ist, versucht Ella, ihr Leben wieder aufzunehmen. Zu aller Überraschung sucht sie die Nähe zu Lux, dem Jungen, der in jener Nacht bei Jessie war. Gemeinsam mit ihrer jüngsten Tochter Melli lädt sie ihn zu einem Urlaub auf Teneriffa ein, wo jeder auf seine eigene Weise mit dem Verlust umgeht. Sandra Wollner setzt in Everytime auf einen kontrollierten Stil, in dem ein untergründiges Unbehagen und eine zurückhaltende Musik die Emotionen gerade nicht lenken. Der Gewinner von Un Certain Regard in Cannes ist ein Film, der eher Fragen aufwirft, als Antworten zu geben, und dem Publikum Raum für eine eigene Deutung lässt.

Everytime kreist um ein folgenschweres Ereignis, bei dem die sechzehnjährige Jessie gemeinsam mit ihrem Freund Lux die Nacht auf dem Dach eines Berliner Wohnblocks verbringt. Ihrer Mutter Ella (eine verblüffende Birgit Minichmayr) bleibt danach nichts anderes übrig, als ihr Leben wieder aufzunehmen. Andere machen Lux für die Tragödie verantwortlich, doch überraschenderweise sucht ausgerechnet Ella seine Nähe. Mehr noch: Sie fragt ihn, ob er sie und ihre jüngste Tochter Melli in den Urlaub nach Teneriffa begleiten möchte – eine Reise, die ursprünglich für Jessie gedacht war. Auf der spanischen Insel wird schnell deutlich, dass Trauer eine zutiefst persönliche Angelegenheit ist und jeder Mensch auf seine eigene Weise mit Verlust umgeht.

Der dritte Film der Österreicherin Sandra Wollner handelt von einem der einschneidendsten Ereignisse im Leben eines Menschen, doch die Filmemacherin entscheidet sich ganz bewusst dafür, diese Prüfung zu entdramatisieren. Zumindest auf den ersten Blick. Denn Wollner gelingt es meisterhaft, ähnlich wie etwa ihrem Landsmann Michael Haneke, alltägliche Begebenheiten mit einem schwelenden Gefühl des Unbehagens zu durchsetzen. Das war schon in ihrem gefeierten Vorgängerfilm The Trouble with Being Born (2020) so und gilt für Everytime noch mehr. Damit gewann sie Anfang dieses Jahres den Hauptpreis in Un Certain Regard, der wichtigsten Nebensektion des Filmfestivals von Cannes. Dieser Preis ging in der Vergangenheit regelmäßig an Filme, die die Zeit besser überdauert haben als so manche Goldene Palme – man denke nur an La meglio gioventù von Marco Tullio Giordana oder Dogtooth von Yorgos Lanthimos.

Wollner entscheidet sich für eine entrückte Inszenierung, ohne dabei distanziert zu wirken. Die scheinbar einfachen Beobachtungen alltäglicher Ereignisse sind in Wirklichkeit streng komponierte Bilder. Dieselbe untergründige Herangehensweise prägt die Musik. Wäre dies ein Hollywoodfilm, würden die Emotionen vom Soundtrack nachdrücklich unterstrichen und gelenkt. Komponist David Schweighart setzt jedoch auf eine subtile Partitur, die dem Publikum den Raum lässt, selbst zu entscheiden, was es fühlen möchte.

Dieser gesamte Ansatz passt perfekt zu der Art von Film, die Everytime ist: einer, der eher Fragen aufwirft, als Antworten fein säuberlich auf dem Silbertablett zu servieren. Kein Film, den man über sich ergehen lässt, sondern einer, den man erlebt.

https://www.filmfestival.be/en/film/everytime

WO:

Filmfest Gent Leeuwstraat 40b, 9000 Gent
Leeuwstraat 40b, 9000 Gent
Gent, Oost-Vlaanderen Belgium
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WANN:

17. Oktober
12:45 - 15:30
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